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10 Musiker/innen – vier aus der aktuellen Jazzszene, sechs aus dem Bereich der Alten Musik – stehen für eine äußerst spannende Begegnung und gegenseitige Durchdringung zweier auf den ersten Blick (und nur auf den ersten Blick) äußerst hete­rogener Musikstile. International bekannte Künstler/innen wie Angelika Niescier (Saxes), Riccardo Delfino (Renaissanceharfe) und Christoph Hillmann (Percussion) finden in diesem Projekt zusammen, das von Alfred Karnowka 2013 initiiert wurde.


Ziel des Projektes ist die musikalische Beschäftigung mit dem „tratado de glosas“ (Rom 1553) von Diego Ortiz mit den Mitteln der historischen Aufführungspraxis UND den Stilmitteln des modernen Jazz. Hinzu tritt Musik von Zeitgenossen, soweit sie zum einen von Ortiz selbst in seinem „tratado“ verwendet wurde oder zum anderen einen musikalischen Zugriff durch das vorhandene Instrumentarium und in der gewählten Stilistik erlaubt.


Variation, Diminution und Auszierung sind verbindende Elemente in der durch Ortiz überlieferten Musizierpraxis des 16. Jahrhunderts und der Improvisationspraxis des Jazz. In beiden Fällen liefern häufig bekannte Akkordfolgen (Tenores, Standards) die harmonische und rhythmische Grundlage für die Variation bzw. die Improvisation. Der Jazzmusiker bewegt sich also quasi „auf vertrautem Gebiet“, wenn die Tenores der Renaissance auch anderen harmonischen Gesetzmäßigkeiten unterliegen als die harmonischen Abfolgen im Jazz.


Die Beispiele, die Ortiz für die Improvisation bzw. Variation über die (damals) überaus bekannten Lied- und Tanzformen gibt, nehmen in der Musik des 16. Jahrhunderts eine solitäre Stellung ein. Sie sind von großer melodischer Schönheit und Eigentümlichkeit sowie von einer ungeahnten rhythmischen Vitalität. Hier öffnet sich diese Musik dem Verständnis der Jazzmusiker und regt alle Beteiligten zu überaus spannenden Dialogen an.